Klare Worte für unsere Demokratie. Menschen aus Hof sprechen Klartext.

Locker, spannend, mit Musik und vielen tollen Vertreterinnen und Vertretern wichtiger Hofer Institutionen ging ein Abend über die Bühne, zu dem die Hofer Omas gegen Rechts eingeladen hatten. Vor voll besetztem Haus stand konkret gelebte Demokratie im Mittelpunkt. „Demokratie ist ja nicht nur ein Wort, sondern eine Aufgabe, die an jedem einzelnen Tag mit Leben gefüllt werden muss,“ betonte Heidi Lange als Sprecherin der Hofer Omas, die zusammen mit ihrer Kollegin Leontine Petzoldt durch den Abend führte. Klartext für die Demokratie zu reden war der Anspruch der zehn Beiträge, die in ihrer Unterschiedlichkeit spannend und überraschend waren. Die Stimmung war erkennbar feierlich, denn Besucherinnen und Besucher erlebten, wie stolz und außergewöhnlich offen die Gäste die Zusammenhänge erläuterten. Nach der Begrüßung durch die Leitung der Hofer Fachakademien für Sozial- und Heilpädagogik, Lis Wilczek, die u. a. auf die Selbstverpflichtung als „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ einging, ergriff die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla das Wort. Als Stadtoberhaupt sei sie gerne und selbstverständlich bei diesem Abend dabei; die Menschenkette „Wir schützen unser Rathaus“ in der vergangenen Woche sei ihr in beeindruckend guter Erinnerung. Die Arbeit im Rathaus sei in allen Facetten demokratisch; und es ist ihr ein besonderes Anliegen, junge Menschen mit einzubinden und ihre Stimme zu hören.

Claudia Dostler stellte als Leiterin der Hofer Stadtbücherei ihren Arbeitsplatz als analogen Raum vor, der ein Ort des Zusammenkommens sei und einen gesellschaftlichen Motor darstelle. Pfarrerin und stellvertretende Dekanin Nicola Aller wählte Poetry und Reimform. Sie sprach über Achtsamkeit und Partizipation, zitierte den Freiheitsbegriff, wie er in der Bibel enthalten sei und beschrieb ihre Aufgabe der kirchlichen Erneuerung im Projekt „youlo“. Professor Dr. Carsten Stark von der Hochschule Hof beschrieb sich als unvorbereiteten Vielleser, Schweiger und Vielredner und stellte die in der Demokratie notwendige wechselseitige Akzeptanz von Menschen in den Vordergrund seiner Ausführungen. Gedanken zu Mehrheiten und Minderheiten und der Notwendigkeit, Konsens zwischen Menschen zu finden führte er aus.
Die Leiterin der Christian-Wolfrum-Mittelschule, Michaela Neumann, ging auf ihre Schule ein, an der Kinder aus 29 Nationen unterrichtet werden, alles in allem komme man mit einem Migrationsanteil von knapp 80 Prozent zurecht. In solch einer Situation sei es unerlässlich, mit Schülerinnen und Schülern demokratische Werte zu erarbeiten und sich als Lehrerin oder Lehrer klar zur Demokratie zu positionieren.

Im Kinder- und Jugendzentrum „Q“ arbeitet Wiktor Ritter. Die Beteiligung der Jugend an Entscheidungen und der Suche nach sinnvollen Problemlösungen sei für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen eine Selbstverständlichkeit. Lösungen bei Konflikten zu finden gehöre ebenso dazu. Ritter zitierte Margot Friedländer. „Seid Menschen!“ „Am Ende sind wir alle Menschen“, steht auch für Ritter fest, „ohne Unterschiede!“ Christine Puff las einen Text von Miriam Rautenberg, der Leiterin des Museums Bayerisches Vogtland vor, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Das Museum sei ein Schatzkästchen, mit dem man auf Zeitreise gehen kann. Das Ausstellungsthema Flucht ist hochaktuelll. „Doch Zusammenhalt und generationenübergreifende Neuorientierung nach schweren Zeiten – das wird bei uns deutlich“. Alena Pardatscher sprach für das Hofer Theater. „Künstlerinnen und Künstler brauchen die Freiheit, die nur Demokratie gibt,“ erklärte Pardatscher, die als Musik- und Ballettdramaturgin arbeitet. „Im Theater Hof sind Menschen aus 35 Nationen durch die Liebe zur Kultur verbunden. Auch wenn wir uns manchmal mit Händen und Füßen verständigen müssen, tut das unserem demokratischen Miteinander keinen Abbruch.“ Alessa Shermann gab Einblicke in ihre beraterische Tätigkeit in der Familien- und Schwangerschaftsberatung der Diakonie Hochfranken. Entscheidungen von Menschen zu respektieren ist hier oberste Prämisse. Auch proaktive Bildungsangebote in Schulen kommen gut an. „Wir gehen mit unseren Themen in alle Schulen, die uns einladen.“ Dr. Martin Thiele hat seinen Arbeitsplatz im Deutsch-Deutschen Museum in Mödlareuth. 85.000 Besucherinnen und Besucher verzeichnet das Museum jedes Jahr. „Die Grenzöffnung und ihre Bedeutung ist für junge Menschen oft so weit weg wie das Kaiserreich,“ beschreibt er, und betont, dass im Museum ein wichtiger Abschnitt deutscher Geschichte nachvollziehbar gemacht werde. Letzte Rednerin war die Präsidentin der Hofer Soroptimistinnen, Dr. Hildegard Zeilinger. Im Mittelpunkt dieser Organisation steht die Frauenförderung. „Wo Frauen mitgestalten, wird die Welt gerechter.“ Als Teil einer globalen Bewegung beschrieb sie die Stichworte Vielfalt, Demokratie, Bildung und Menschenwürde und zählte einige Projekte auf, die durch die Tätigkeit der Soroptimistinnen gefördert werden. „Seid ein gutes Vorbild“ rief sie dem Publikum zu.
Vor dem Abschluss des Abends stellten Peter und Sabine Vogel einen „WAHL-OMA-TEN“ vor; mit dem ein noch mal völlig anderer Zugang zu demokratisch notwendigen Entscheidungen möglich ist. Ein großartiger „Abend der Demokratie“ war von der Band der Fachakademie unter der Leitung von Ralf Wunschelmeier musikalisch umrahmt worden. Kleine Filme zu den Institutionen, in denen die Klartext redenden Gäste arbeiten, wurden gezeigt. Demokratie verbindet Menschen, sie ist in Begegnungen spürbar und als sinn- und zielgebender Rahmen überall lebendig. Das Anliegen der Omas gegen Rechts, genau dem Beachtung zu schenken, wurde so auf konkrete und eindrucksvolle Weise deutlich.

Post expires at 5:51p.m. on Samstag Mai 30th, 2026

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