Nie wieder ist schon jetzt! 

Ökumenischer Gedenk- und Mahngottesdienst in St. Gumbertus am 27. Januar 2026

Wie seit vielen Jahren wurde am Dienstag in der gut besuchten St. Gumbertuskirche der ökumenische Gedenkgottesdienst zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen. In Schwarzenbach wird dabei auch an die Opfer des Todesmarsches gedacht, die im April 1945 vom Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg in Helmbrechts nach Volary (CZ) über Schwarzenbach getrieben wurden.  Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hatte den 27. Januar genau vor 30 Jahren als Gedenktag ausgerufen, entgegen von Meinungen aus der Gesellschaft, die schon damals meinten, es müsse doch irgendwann einmal Schluss sein mit diesem Erinnern. 

Nach einem Beginn mit Glockenläuten, Schweigen und der Begrüßung durch Diakon Norbert Pühler machte Nanne Wienands in einer eindringlichen Rede klar: Nein – mit diesem Gedenken darf niemals Schluss sein, im Gegenteil: Es genüge längst nicht mehr, zu schweigen und zu erinnern: „Nie wieder soll sein, was gewesen!“ Dieser Aufruf habe sich heute, im Jahr 2026, bereits überholt. Demokratiefeindliche Kräfte seien allerorten am Werk, Kräfte, die gegen eine weltoffene Gesellschaft, gegen Menschenwürde und Menschenrechte arbeiten. Wienands berichtete von Menschen, die auch unter uns wohnen und Verachtung oder Beschimpfung erfahren, weil sie nicht von hier sind. 

Erinnerung an die Gräuel des Nationalsozialismus reiche deshalb schon lange nicht mehr, und auch Kirchen sind „kein Raum, in dem wir ausblenden können, was vor der Tür geschieht“, so Wienands. „Gott hat uns die Möglichkeiten gegeben zu denken, zu sprechen, zu schreiben und zu handeln, und das müssen wir nutzen – jetzt, ehe es zu spät ist.“ 

Lesung und Gebete griffen den Faden des Gedenkens, Trauerns und Bittens auf, Pfarrer Dr. Dieter Jung gab nach dem gemeinsamen Vaterunser den Segen.

Musikalisch wurde der Gottesdienst sehr einfühlsam gestaltet von Pavel Kondakov, Mitglied der Hofer Symphoniker aus Schwarzenbach. Mit Oboe und Englischhorn solo ließ er Werke von Joh. Seb. Bach und Benjamin Britten erklingen – eine Musik, die in ihrer Eindringlichkeit unter die Haut und ans Herz ging. 

Nach dem Gottesdienst wurde auf dem Friedhof am Grab der bekannten und unbekannten Opfer ein Kranz mit weißen Rosen niedergelegt. Nanne Wienands berichtete vom Schicksal der am 27. Januar 1918 geborenen Mala Zimetbaum, die im KZ Auschwitz umkam. Mit einem Dank an alle, die trotz Winterwetter und gleichzeitiger Sitzung des Stadtrats gekommen waren, endete die Gedenkveranstaltung. 

 

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