„Demokratie ist kein Wellnesshotel“ – der Auftakt von Heidi Lang
Zu Beginn der Kundgebung zog Heidi Lang von Omas gegen Rechts Hof die Grenze zwischen politischer Wunschdenken‑Mentalität und demokratischem Ernst. Demokratie, rief sie den Hoferinnen und Hofern zu, sei „kein Wunschkonzert, kein Supermarkt, kein Selbstbedienungsladen“ und schon gar kein „Ramschladen für billige Ideologien“ oder „Wellnesshotel“, in dem andere gefälligst für das eigene Wohlbefinden zu sorgen hätten.
Lang beschrieb Demokratie als Gemeinschaftsleistung, die „unter jedem Dach, in jeder Familie, in vielen Gesprächen“ stattfinde – und an diesem Tag sichtbar vor dem Rathaus, wo unter freiem Himmel um Mehrheiten, Haltungen und Verantwortung gerungen wird. Demokratie sei so selbstverständlich geworden „wie die Luft zum Atmen“, betonte sie, doch genau das mache sie verwundbar. „Wir brauchen die Demokratie – und die Demokratie braucht uns“, lautete ihr Kernappell: mündige Bürgerinnen und Bürger, die mitdenken, Verantwortung übernehmen und bereit sind, sich demokratiefeindlichen Ideologien entgegenzustellen.
Aus dieser Diagnose leitete sie eine klare Forderung ab: Die Demokratie müsse wehrhaft sein – und mit ihr die Bürgerinnen und Bürger. Kurz vor der Kommunalwahl, vor den Türen des Rathauses, sei es umso wichtiger zu zeigen, dass eine Stadt sprichwörtlich zusammensteht, wenn demokratische Institutionen unter Druck geraten.
Klare Kante gegen Rechtsaußen
Lang beließ es nicht bei grundsätzlichen Mahnungen, sondern benannte genau, wogegen sich die Omas und Opas gegen Rechts wenden: gegen rechtspopulistische und rechtsextreme Strömungen, gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, gegen Verschwörungsideologien, Queerfeindlichkeit, Hass, Hetze, Gewalt und Anti‑Feminismus. Sie wandte sich gegen jede „Dämonisierung von Menschen und ganzen Menschengruppen“ und warnte vor Protestwahlen, bei denen man „aus Versehen die Demokratie in höchste Gefahr“ bringen könne.
Besonders scharf kritisierte sie völkische Ideologien und die Bewunderung für Autokraten, ebenso „Macho‑Phantasien“ über die Rolle der Frau. Parolen wie „abschieben, abschieben, abschieben – bis die Startbahn glüht“ stellten für sie kein Heldentum dar, sondern manövrierten ihre Urheber in eine „Macho‑Looser‑Ecke“. Junge Männer forderte sie auf, sich „sinnvollere Ziele“ und „bessere Lehrmeister“ zu suchen, weil in einem demokratischen Gemeinwesen genug andere Möglichkeiten warteten, zu zeigen, was in einem stecke.
Um wehrhaft zu sein, so Lang, brauche es eine ganze Palette innerer Fähigkeiten: Ignoranz und Gelassenheit, um Angriffe ins Leere laufen zu lassen, ohne auf das Niveau der Angreifer zu sinken; die Kraft, Hass nicht mit Hass zu beantworten; kritisches Hinterfragen und nüchterne Sachlichkeit. Ebenso wichtig sei Empathie für Menschen, die sich bedroht und entwürdigt fühlen, und die Bereitschaft, junge Leute für Weltoffenheit, Zivilcourage und demokratische Werte zu begeistern. „Wir lassen uns unsere Sprache nicht verrohen und entmenschlichen – und vor allem: Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen“, schloss sie ihren Beitrag.
Die Oberbürgermeisterin: Demokratiearbeit im steinernen Herzen der Stadt
Auf den kämpferischen Auftakt der zivilgesellschaftlichen Stimme folgte die Perspektive der Stadtspitze. Oberbürgermeisterin Eva Döhla begrüßte die Versammelten direkt vor dem Haus, in dem im ersten Stock ihr Amtszimmer liegt – dem symbolischen und praktischen Zentrum der kommunalen Demokratie. Das Rathaus, machte sie deutlich, sei nicht nur ein Verwaltungsgebäude, sondern ein Ort, an dem jeden Monat erfahrbar werde, dass Demokratie harte Arbeit sei: Interessen ausgleichen, aushandeln, Kompromisse schließen, auch wenn diese nicht jeden begeistern.
Sie zeigte sich beeindruckt von der Breite der Teilnehmenden: Menschen aus Kultur‑ und Sozialbereich, Vertreterinnen der Lebenshilfe, die „auf einem christlichen Fundament“ für die gleiche Würde jedes Menschen eintreten, Gruppen mit Regenbogenfahnen, Amnesty, Bürgerinnen und Bürger aus unterschiedlichen Parteien. In dieser Vielfalt sah sie den Beweis, dass Hof seine demokratischen Werte nicht einer lauten Minderheit überlassen will, sondern sichtbar und hörbar Haltung zeigt.
Döhla erinnerte daran, dass auch die kommunale Demokratie unter Druck gerät, wenn marode Infrastruktur, knappe Kassen und unerfüllbare Erwartungen Enttäuschung produzieren. Genau diese Bruchstellen, so die Oberbürgermeisterin, würden „die ganz Rechten“ ausnutzen, um „unser ganzes System und unsere ganzen Werte in Frage“ zu stellen. Vor diesem Hintergrund bat sie die Anwesenden nicht nur selbst zur Wahl zu gehen, sondern im eigenen Umfeld aktiv für die Stimmabgabe zu werben – als konkrete Form, Demokratie und Rathaus zu schützen.
Zum Schluss ihrer Rede lenkte sie den Blick auf verblasste Eierflecken am Rathausturm – Überreste eines Angriffs vor einigen Jahren. Diese Eier seien nicht nur gegen die Fassade geflogen, sondern gegen Rechtsstaat, Ordnung und die gemeinsamen Werte, sagte Döhla, und stellte den blass gewordenen Spuren die bunte, lebendige Menschenmenge des Tages gegenüber: „Das ist unser Hof.“
Nanne Wieland: Vom Hofer Ring zum überregionalen Bündnis
Den Schlusspunkt setzte Nanne Wieland, ebenfalls von Omas gegen Rechts Hof, die die Aktion organisatorisch und politisch einordnete. Sie erinnerte daran, dass die Menschenkette in Hof Teil einer Initiative der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg ist, deren Geschäftsstelle in Nürnberg sitzt und die inzwischen mehr als 500 Gruppen, Kommunen und Landkreise vereint.
Mit dem Motto „Wir schützen unsere Rathäuser“ habe die Allianz bereits über 40 Menschenketten rund um Rathäuser organisiert, erklärte Wieland – und dabei erstmals die Grenzen der Metropolregion überschritten. Zeitgleich mit Hof schützten an diesem Tag etwa auch in Schweinfurt, Bamberg und Bad Windsheim Bürgerinnen und Bürger ihre Rathäuser. Dass aus einer Idee in Wunsiedel eine solche Welle geworden sei, bezeichnete Wieland als wichtigen Durchbruch durch eine „unsichtbare Nürnberger Schranke“.
Sie lobte das „kongeniale Bündnis“ zwischen der Allianz und den Omas und Opas gegen Rechts, die die praktische Arbeit vor Ort leisten und den Protest mit Leben füllen. Bevor sich die Menge in Bewegung setzte, bat sie die Teilnehmenden darum, aufeinander zu achten, damit der Kreis um das Hofer Rathaus möglichst geschlossen werde – als starkes, sichtbares Bild für den Schutz demokratischer Institutionen.
Ein Signal weit über Hof hinaus
Die Hofer Menschenkette war mehr als eine lokale Kundgebung: Sie verband eine scharfe Analyse demokratiefeindlicher Tendenzen mit dem Selbstbewusstsein einer Stadtgesellschaft, die ihr Rathaus als steinernes Herz der Demokratie versteht und bereit ist, es zu verteidigen. Zwischen den klaren Worten der Omas gegen Rechts, der institutionellen Rückendeckung durch die Oberbürgermeisterin und der Einbindung in eine überregionale Allianz entstand ein gemeinsames Versprechen: Die Demokratie mag angefochten sein – aber sie steht nicht allein.
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